Am Samstag 19 Juni 2010 war es wieder einmal soweit. Der dritte Biennathlon stand auf dem Programm, ein Rennen auf das ich mich immer freue, weil es für mich immer ein Spass ist in einem Team gemeinsam zu starten. Nachdem wir im letzten Jahr schon Dritte geworden waren, wollten wir in diesem Jahr versuchen uns endlich die Uhren zu holen, welche nur die Sieger bekommen. Im letzten Jahr fehlten uns am Ende fast vier Minuten auf das Siegerteam und rund 7 Sekunden zur Silbermedallie.
Schon im Winter war klar, dass alle Beteiligten vom letzten Jahr wieder dabei sein wollten am diesjährigen Biennathlon. Auch in diesem Jahr organisierte Rico wieder alles bestens und wir mussten eigentlich gar nichts machen. Irgendwann kam dann der Anruf von Rico dass er Lungenentzündung hat und es wurde schnell klar, dass er in diesem Jahr nicht starten würde können. Er war zwar am Renntag wieder gesund aber das war zu kurzfristig um den Trainingsrückstand wieder aufholen zu können. Also fragte ich mal ganz unverbindlich bei Patrick an der letztes Jahr in unserem Gigathlonteam für uns geskatet war. Und siehe da er hatte Zeit und sagte sofort zu. So stand also fest dass wir in diesem Jahr bis auf Rico mit dem gleichen Team würden starten können.
Schnell kamen die ersten Rechenexempel auf den Tisch und diese ergaben dass wir in diesem Jahr eigentlich versuchen könnten ganz nach oben auf’s Treppchen zu kommen.
Das Wetter bzw. die Wettervorhersage war schon in der Woche vor dem Rennen extrem schlecht und als wir in unserem riesigen Mietbus nach Biel fuhren wurde auch schnell klar, dass sich die Wetterfrösche nicht zu unseren Gunsten verkalkuliert hatte. Es goss doch ziemlich und wir hofften dass bis zum Start um 15:00 Uhr wenigstens eine Regenpause kommen würde.
Wir hatten Glück und wurden erhört- es war sogar halbwegs trocken als Patrick um 15:05 auf die Strecke musste. Von einem neutralisierten Start war nichts zu bemerken schon aus der ersten Kurve heraus wurde Druck gemacht und Patrick rauschte an mir und Rico vorbei.
In diesem Jahr war die Skatestrecke um einen Kilometer verlängert worden dafür wurde die Schwimmstrecke auf Grund der lausig tiefen Temperaturen auf einen Kilometer verkürzt. Nach rund 24 Minuten kam der Führende Skater mit einem ordentlichen Vorsprung angefahren und sein Schwimmer rannte in Richtung See. Dann kam eine Gruppe in der auch die drei Ersten der Single men Kategorie waren nur Patrick der war nicht dabei. Bevor wir uns grössere Sorgen um ihn oder einen möglichen Sturz machen konnten kam er aber schon in die Wechselzone gefahren und brachte rund 2 Minuten Rückstand mit.
Das war alles im grünen Bereich, im letzten Jahr hatten wir zu diesem Zeitpunkt einen Rückstand von über 6 Minuten und wurden trotzdem noch Dritter.
Valerie spurtete Richtung See und ich Richtung Wellenbrecher durch den sie kurze Zeit später schwimmen musste.
So konnte ich ihre Posistion ermitteln und diese war nach meiner beendeten Zählung doch äusserst positiv.
Wir lagen auf Rang 8 und Valerie schwamm zusammen mit Roger Fischlin dem zweimaligen Sieger beim Biennathlon.
Sandro war zu diesem Zeitpunkt schon in der Wechselzone und mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt.
Er hat sein Bike sicher fünf mal umgeparkt bis er die ideale Startposition ermittelt hatte. Irgendwann konnte ich den Führenden Mann aus dem Wasser rennen sehen und gab Sandro zu verstehen, dass er sich bereit halten musste. 2 Minuten später kam Valerie und Sandro srpintete zu seinem Bike und aus der Wechselzone heraus.
Wir wussten dass wir bei den Teams nun auf Platz fünf lagen und dass bis auf ein Team noch niemand die „Frauenkarte“ gespielt hatte. Das konnte uns nur Recht sein, da nun die zwei Disziplinen anstanden wo die Frauen immer deutlich mehr Zeit verlieren gegenüber ihren männlichen Kollegen. Bereits am ersten Verpflegungsposten meldete der Speaker dass Sandro die Führung im Feld übernommen hatte. Das war nun der Zeitpunkt an dem ich nervös wurde, da nun klar war, dass Sandro mich als Führenden auf die Laufrunde schicken würde. Der Stadionspeaker kam für ein Interview zu mir und befragte mich zum Rennen. Ich erklärte ihm dass uns Sandro schon im Bus angedroht hatte Ernst zu machen und dass dies nun eingetreten war. Als er mich nach meiner Taktik fragte konnte ich ihm nur sagen, dass es keine gäbe und ich einfach mit Vollgas laufen würde. Denn ich wusste ja, dass hinter mir ein paar ganz schnelle Läufer am Start waren, welche ich im direkten Duell nicht schlagen könnte.
Viel Zeit zum überlegen gab’s aber nicht, denn Sandros Führungsmotorrad kam über die Brücke und kurz danach musste ich unter dem Applaus der Zuschauer auf die Strecke. Dieses Mal hatte ich einen Vorfahrer auf dem Mountainbike dabei, der mir glücklicherweise immer schön den Weg zeigte und vor allem den Weg „freiräumte“. So konnte ich mich auf’s Rennen konzentrieren und ihm hinterherrennen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht wieviel Rückstand das nächste Team hatte. Also galt für mich so schnell zu rennen wie irgendwie möglich. Am Berg angekommen wurde schnell klar, dass die angekündete Streckenänderung einen deutlich steileren Anstieg zur Folge hatte und die Wege ziemlich matschig waren. Für die nächste Zwei Drei Kilometer hätte ich gerne meine Trailschuhe gehabt, denn es war wirklich ziemlich schmierig aber die Strecke war toll und ich renne ja so was grundsätzlich gerne. Gleichzeitig war mir klar, dass die schnellen Läufer auf so einem Untergrund nicht viel Zeit auf mich gut machen konnten. Nachdem mein Vorfahrer bei Kilometer Sieben wieder zu mir stiess und ich im schnellen Bergabstück war, gab er mir zum ersten Mal den Abstand nach hinten durch. Den hatte er in der Zwischenzeit per Funk erfahren und bei Kilometer Acht hatte ich offensichtlich noch über zwei Minuten Vorsprung. Ich wusste dass dies ein ordentliches Polster war, aber ich war auch vorgewarnt vom letzten Jahr als ich ein paar hundert Meter vor dem Ziel noch überholt wurde. Das wollte ich mit aller Kraft vermeiden. Ich versuchte die letzten drei, vier Kilometer am Kanal entlang ein schnelles Tempo zu laufen und ging ans Limit. Rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel teilte mir mein Vorfahrer mit dass hinten ein weiterer Vorfahrer aufgetaucht sei und noch rund 250 Meter Rückstand hätte. Ich sah schon eine Wiederholung des letzten Jahres und fragte mich wie mein Verfolger wohl so schnell hatte 2 Minuten zulaufen können. Ich legte noch mal eine SChippe drauf obwohl ich schon ziemlich kaputt war und bereitete mich auf sehr harte 1500 Meter vor. Nach rund 300 Metern kam dann die Entwarnung, es war ein Teilnehmer mit Startnummer, der keine Gefahr darstellte. Trotzdem wollte ich nichts mehr riskieren und lief mein Tempo bis ins Ziel durch. Erst als meine Teamkollegen rund 100 Meter vor dem Ziel auf mich warteten machte ich langsamer um zusammen mit ihnen über die Ziellinie zu überqueren. Geschafft- aber zuerst musste ich mich mal hinlegen um wieder etwas Luft zu bekommen. Es hatte gereicht, und Sandro und Patrick haben die Gelgenheit genutzt um mich mit Sekt zu duschen.
Wir waren alle super happy dass wir das geschafft haben. Wir haben unsere Uhren und sind mächtig stolz. Nach Biel kommen wir wieder!