Das Höchste in Queensland…

…ist ein Berg namens Mount Bartle Frere, rund 70 Kilometer südlich von Cairns. Die nüchternen Zahlen weisen ihm eine Höhe von 1632 Metern aus, was sich für schweizer Ohren nicht sonderlich spektakulär anhört.

Da der Berg aber in der Nähe der Küste steht, muss man trotzdem 1600 Höhenmeter erklimmen um den Gipfel zu erreichen und das hört sich schon beeindruckender an. Da es einen Wanderweg auf den Gipfel gibt, lag es Nahe dem Berg einen Besuch abzustatten.

15 Kilometer gilt es zu bewältigen um auf den Gipfen und wieder hinunterzukommen. Eine Distanz die ein passabler Läufer in unter einer Stunde hinter sich bringen kann. Dann darf es natürlich keine Höhenmeter im Profil der Strecke haben.

Wenn man nun also die 1500 Höhenmeter die es zu erklimmen gilt auf 7.5 Kilometer verteilt, wird einem schnell klar, dass es steil sein muss auf dem Weg nach Oben.

Nach 3.5 Kilometer gibt es ein Camp an dem sich der Wanderweg verzweigt und das war unser Ziel für den Dienstagnachmittag. Wir waren an den Josephine Falls angekommen die liegen bequem nahe des Parkplatzes von dem der Wanderweg startet. Die Fälle sind ein touristisches Highlight vieler Ausflugsbusse, die von Cairns aus einen Tagesausflug in die Region machen. Die meisten Besucher geben sich mit den 1.2 Kilometern (hin -und zurück) zufrieden um zu den Fällen und zurück zu laufen und lassen den eigentlichen Wanderweg links liegen.

Die Josephine Falls waren für unsere wasserfallverwöhnten Augen nicht sehr spektakulär da wir gewesen – wir haben in den letzten Wochen einige gesehen die Schöner waren.

Da die Fälle für uns nicht sehr ergiebig waren stand am Nachmittag eine Erkundungstour zum ersten Camp des Mt. Bartle Frere auf dem Programm. Sieben Kilometer hin -und zurück durch tollen Regenwald sollten es lauf Infotafel sein. Die vierhundert Höhenmeter auf dem Weg dorthin hörten sich auch machbar an. Schnell wurde klar, dass dies keiner dieser plattgewalzten Touristenpfade war auf denen wir sonst so oft unterwegs sind. Es war rutschig (wir waren ja im Regenwald), hatte viele Wurzeln und wir mussten durch etliche Bäche, bzw. darüber. Das geschah mit Hilfe von umgestürzten Baumstämmen oder indem wir von Fels zu Fels sprangen. Eine tolle
Wanderung die aber vollste Konzentration erforderte, da überall Stolperfallen lauerten.

Uns war klar, dass wir die Wanderung auf den Gipfel nicht zusammen mit Lola machen könnten. So zog ich am nächsten Morgen früh alleine Los um den Berg zu erklimmen. Die erste Hälfte der Strecke kannte ich ja nun bereits und mir war klar, dass es ab dem Camp deutlich heftiger ansteigen musste als auf dem Weg dahin. Denn es galt ja auf der gleichen Distanz die dreifache Menge an Höhenmetern zu überwinden. Und auch über die Beschaffenheit des Weges machte ich mir keine Illusionen.

Das Camp bei Kilometer 3.5 war nach einer Stunde erreicht und ich musste über den Bach. Der Weg machte dann nicht lange rum und gab gleich einmal den Tarif durch für die nächsten vier Kilometer. Der wurzelige und matschig-rutschige Weg ging sehr steil nach oben und ich kam schnell ins Schwitzen. Teilweise berührte man den Erdboden gar nicht mehr, weil man nur auf Wurzeln unterwegs war. Die Taifune der letzen Jahre haben dem Weg auch arg zugesetzt und immer wieder kam ich an Stufen die höher waren als ich selbst. Dann wurden alle Bäume, Lianen, Luftwurzeln benutzt um nach Oben zu kommen. Mit Wandern hatte das teilweise wenig zu tun. Auch lagen viele Bäume im Weg über die man dann irgendwie drüber musste.

Nach etwas über drei Stunden erreichte ich die Schutzhütte, von der aus man zum ersten Mal so etwas wie einen Ausblick hatte. Dieser lohnte sich, obwohl wegen vieler Wolken nicht allzuviel zu sehen war. Von der Hütte aus ist es noch ein Kilometer bis zum Gipfel und noch einmal 300 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Die Wolkendecke war löcherig genug um dem Gipfe zu sehen und das gab natürlich Auftrieb.
Allerdings kann man das was dann kommt getrost als leichte Kletterei bezeichnen und nicht mehr als Wandern. Denn man muss über ein grosses Feld von Steinblöcken klettern um nach Oben zu kommen. Diese sind teilweise 6-7 Meter gross mit vielen tiefen Spalten. Ausrutschen sollte man dort jedenfalls nicht. Da wäre ein Knochenbruch vorprogrammiert. Leichter gesagt als getan, so rutschig wie es teiweise war. Die Brocken, die in der Sonne lagen waren schön griffig, alles was im Schatten lag hatte einen schönen, rutschigen Moosbelag. Teilweise waren an den wildesten Stellen Griffe montiert , die ich dankbar benutzte.

Ich war wie schon im Wald zuvor viel im 4×4 Modus unterwegs. Nach 3:20 Stunden erreichte ich den Gipfel, von dem man allerdings vor lauter Bäumen die Aussicht nicht mehr sehen konnte. Dafür war die Wolkendecke beim Abstieg deutlich löchriger geworden und ich konnte ein paar tolle Blicke in die umliegenden Tablelands erhaschen. Allerdings musste ich stehen bleiben wenn ich schauen wollte, denn laufen und gleichzeitig schauen wäre keine gute Idee gewesen.

Der Abstieg war zwar konditionell weniger anstrengend aber technisch oft schwerer als der Aufstieg, da man beim bergabgehen noch mehr aufpassen musste nicht in den vielen Wurzeln hängen zu bleiben. Auch hier benutzte ich die Bäume und Wurzeln und ich hatte am Abend richtigen Muskelkater in den Schulterblättern. Nach 6,5 Stunden war ich wieder am Auto, ziemlich erschöpft und müde.
Liliane und Lola waren mir entgegengelaufen und wir konnten den letzten Kilometer zusammen zurückgehen. Das war defitiv eine der härteren Wanderungen die ich in meinem Leben gemacht habe, aber sicherlich auch einer der spektakulärsten. Es muss also nicht immer ein Berg der scheinbaren Superlativen sein, um sich als Superlativ herauszustellen.

Solltet ihr mal in der Nähe von Cairns sein, kann ich euch diesen Kraftakt nur ans Herz legen.

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